Quelle: Das Original befindet sich im Besitz des Burgmuseums Nürnberg und wird zeitweise im Kaiserburgmuseum ausgestellt.
Beschreibung des Originales und der Fundzusammenhänge: In welchem Zustand das Objekt aufgefunden wurde, kann, da dies seitens des Museums nicht weiter schriftlich fixiert wurde, nur gemutmaßt werden. Da allerdings das Objekt komplett erscheint und keine offensichtlichen Restaurationspuren sichtbar sind, kann vermutet werden, dass das Objekt unbeschädigt geborgen wurde. Als Beschädigung ist lediglich ein ca. 2 Centstück großes Loch in der Gefäßwandung zu erfassen. Das Objekt besitzt einen kleinen, geschweiften Standfuß, auf dem beinahe kugelförmigen Bauch zeigt sich ein trichterförmiger, in vierpassform gefalteter Rand sowie auf der Außenseite des Bauches ein mehrzeiliges, deutlich herausgearbeitetes Furchenband. Anhand dieser Formensprache kann das Objekt als Becher Typ 7 nach Robert Koch eingeordnet werden. Zum verwendeten Werkstoff sowie zur genaueren Verarbeitung/Brennweise können zum momentanen Stand der Recherchen keine genauen Angaben gemacht werden. Fundort war lt. Angaben des Burgmuseums Nürnberg in der Söldnersgasse 4 / Hintere Insel Schütt, genauere Umstände zum Fundumfeld, Fundhergang oder eventuelle Zusammenhänge mit anderen Fundobjekten sind leider nicht bekannt. Die Datierung wurde relativ grob auf das 14. Jahrhundert festgesetzt, jedoch lassen Formensprache und das deutlich herausgearbeitete Furchenband eine Datierung in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts vermuten.
Quellenlage/Vergleiche: Im Gegensatz zu verschiedenen Funden von Mehrpassigen Bechern aus den Komplexen „wilder Mann“ sowie „schwarzes Kreuz“, welche durch die Archäologie allesamt den Schankgefäßen für den gewerblichen Bierausschank zugeordnet werden (C.Frieser 1999), ist das bearbeitete Objekt relativ klein. Fassen die Funde aus den beiden genannten Komplexen jeweils ca. 1,2 Liter Flüssigkeit, so beträgt das Fassungsvermögen des Objektes ca. 0,4 Liter Flüssigkeit. Diese Tatsache läßt annehmen, dass es sich bei dem vorliegenden Objekt um einen reinen Trinkbecher und kein Schankgefäß handelt.
Generell: Im Spätmittelalter waren Trinkbecher bzw. so genannte Mehrpassbecher äußerst beliebt, wie die Anhäufung des entsprechenden Fundgutes in etlichen, über ganz Süddeutschland (z.B Freiberg/Sachsen Regensburg, Bayreuth, Würzburg, Nürnberg, Burgthann, Forcheim, Neuses a.d. Pegnitz etc.) und dem heutigen Tschechien verteilten Fundkomplexen und Einzelfunde beweisst. Hier ist jedoch zu beobachten, dass sich gerade die Mehrpassbecher in Form und Größe regional wesentlich unterscheiden.
Diese Rekonstruktion ist eine Arbeit von Anna Axtmann.
