Vierpassbecher Rathaus

 

rekonstruierter Vierpassbecher

Allgemein: Im Spätmittelalter waren Trinkbecher bzw. so genannte Mehrpassbecher äußerst beliebt, wie die Anhäufung des entsprechenden Fundgutes in etlichen, über ganz Süddeutschland (z. B. Freiberg/Sachsen, Regensburg, Bayreuth, Würzburg, Nürnberg, Burgthann, Forchheim, Neuses a.d. Pegnitz etc.) und dem heutigen Tschechien verteilten Fundkomplexen und Einzelfunden beweisst. Hier ist jedoch zu beobachten, dass sich gerade die Mehrpassbecher in Form und Größe regional wesentlich unterscheiden.

Quelle: Das Original befindet sich im Besitz des naturhistorischen Museums Nürnberg und wurde 2005 im Rahmen einer kleinen Ausstellung zum Thema Mittelalter präsentiert.

Beschreibung des Originales und der Fundzusammenhänge: Das Objekt besitzt einen geschweiften Standboden, nach Einziehung zeigt sich ein hoher, ausladender, in vierpassform gefalteter Rand, sowie auf der Außenseite ein mehrzeiliges, sehr deutlich ausgearbeitetes Furchenband.   Anhand dieser Formensprache kann das Objekt als Becher Typ 7 nach Robert Koch eingeordnet werden. Zu Herstellungsweise und Scherben können keine genaue Aussagen geamcht werden, vermutlich handelt es sich um weiße Drehscheibenware, Fundort war lt. Angaben des naturhistorischen Museums Nürnberg das alte Rathaus in Nürnberg, genauere Umstände zum Fundumfeld, Fundhergang oder eventuelle Zusammenhänge mit anderen Fundobjekten sind leider nicht bekannt.  Die Datierung wurde relativ grob auf das 14. Jahrhundert festgesetzt, Vergleiche mit dem in der Tetzelgasse gefundenen und auf um 1310 datierten Vierpassbecher, die Formensprache sowie das sehr deutlich herausgearbeitete Furchenband des Gefäßes läßt eine Datierung in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts vermuten.

Quellenlage/Vergleiche: Die spezielle Form der Ausgestaltung der vierpassigen Lippen dieses Objektes läßt sich an einem weiteren Fundstück aus der Region nachweisen. Dieses Fundstück stammt aus einem Flußfund in der Nähe von Trebgast bei Harsdorf und wurde auf den Anfang des 14. Jahrhundert datiert (“Ritter, Burgen, Dörfer” – Katalog zur Ausstellung zum 650 Todestages des Konrad von Schlüsselberg). Bei diesem Fundstück fällt jedoch die weitgehend grobschlächtige Formgebung im Gegensatz zum Objekt aus Nürnberg auf. Im Gegensatz zu verschiedenen Funden von Vierpassigen Bechern aus den Komplexen „wilder Mann“ sowie „schwarzes Kreuz“, welche durch die Archäologie mittlerweile allesamt den Schankgefäßen für den Bierausschank zugeordnet werden (C. Frieser 1999), ist das bearbeitete Objekt relativ klein. Fassen die Funde aus den beiden genannten Komplexen jeweils einheitlich ca. 1,2 Liter Flüssigkeit, so beträgt das Fassungsvermögen des Objektes ca. 0,5 Liter Flüssigkeit. Diese Tatsache lässt annehmen, dass es sich bei dem vorliegenden Objekt um einen reinen Trinkbecher und kein Schankgefäß handelt.

Diese Rekonstruktion ist eine Arbeit von Anna Axtmann.