Halbhohe Schuhe mit Poulainspitzen

….. und Schnürverschluss auf dem Rist, London, zweite Hälfte 14. Jahrhundert

Allgemein:  Alle Schuhe der damaligen Epoche wurden wendegenäht, d.h. die Schuhe wurden auf links genäht und dann auf die rechte Seite gewendet. Im spätmittelalterlichen Fundmaterial von Konstanz sind schon neben den geläufigen Fersenkappen, Nestellochverstärkungen und Schaftrandversäuberungen sehr häufig partielle oder umlaufende Randverstärkungen in der Sohlen/Oberledernaht sowie innen liegende Seitenverstärkungen und partiell oder komplett gedoppelte Sohlen zu beobachten. Diese Applikationen zeigen einen Schritt hin zur gesteigerten Robustheit des Schuhwerkes und sorgen für eine besser Haltbarkeit. Vergleiche mit anderen Fundkomplexen, vor allen Dingen jenem aus Schleswig, zeigen eine überregionale Verbreitung dieser Techniken im späten Mittelalter.

In Konstanz wurde für das Oberleder sowohl Ziege als auch Rind verwendet, für die Sohlen Rindernacken, zum vernähen der Einzelteile kam wahrscheinlich gepichter und gewachster Leinenzwirn zum Einsatz.

Quelle: Francis Grew – Margarethe de Neergaard, Medieval Finds from Excavation in London, Part 2, Shoes and Pattens, The Boydell Press 1988/2001, Seite 36, Objekt Nr. 55.

Beschreibung der Rekonstruktion: Die Schuhe wurden aus vegetabil gegerbtem Bovinaleder hergestellt. Das einteilige Oberleder wurde mit gewachstem und gepichtem Leinenzwirn in Wendenahttechnik von Hand vernäht.  Für eine bessere Stabiltät wurden Nestellochverstärkungen sowie Fersenkappen angebracht.

Quellenlage/Vergleich: Laut Grew/de Neergard waren die Fundregionen Baynardes Castel und Trig Lane in London Wohnviertel besser gestellter Personen und gut situierter Haushalte sowie deren Bediensteten. Somit umfaßt das Fundspektrum der Londoner Grabungen wohl hauptsächlich Fundstücke, deren Verwendung nicht dem einfachen Tagelöhner- und Handwerkermilieu zuzuordnen ist, im Gegensatz zum Konstanzer Fundkomplex, welcher, nach C. Schnack, ein typisches Spektrum von Schuhwerk, wie es von einfachen Stadtbürgern und Handwerkern getragen wurde, zeigt. Da die Fundlage bei Schuhwerk in Nürnberg allgemein nicht ergiebig ist, haben wir uns bei diesem Projekt auf einen Fund aus London gestützt, da auch für Nürnberg diese Poulainartige Form mehrfach nachgewiesen werden kann (z.B. Brunnen „Nürnberger Hansel“, etc.). Dieser spezielle Schuh wurde lt. De Neergaard/Grew auf das späte 14. Jahrhundert datiert.