… und Knöpfriegelverschluss auf dem Rist nach Bayreuth/Würzburg/Konstanz
Quelle: A. Bischof, “Ein Spätmittelalterlicher Brunnen aus Bayreuth”, Bamberg 2006, hier Schuh-Typ Drei, A. Gareiß-Castritius, “Zwei spätmittelalterliche Fundkomplexe aus Würzburg”, Würzburg 1997, sowie C. Schnack, “Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz”, Stuttgart 1994, hier Tafel 16, Nr. 4613.
Beschreibung der Rekonstruktion: Das Oberleder besteht aus vegetabil gegerbtem Bovinaleder und wurde einteilig zugeschnitten und verarbeitet, für die Sohle wurde ca. 5 mm dickes, ebenfalls vegetabil gegerbtes Rindsleder verwendet. Sohle und Oberleder wurden mit dem “Fleisch-Kante-Tunnelstich” in der Wendenahttechnik verbunden. Für eine bessere Stabiltät wurde der Schaft mit einer Schaftrandeinfassung Konstanz Typ d nach C. Schnack verstärkt, zusätzlich wurden Fersenkappen angebracht. Im Fersenbereich wurde in die Oberleder-Sohlenverbindung zusätzlich ein Randstreifen eingefügt, an welchem jeweils ein Sohlenflicken befestigt wurde. Alle Nähte wurden mit gepichtem und gewachstem Leinenzwirn erstellt. Als Verschluss wurde ein sog. Knöpfriegel angebracht.
Quellenlage/Vergleich: Schuhe diese Types finden sich in sämtlichen Befunden aus ganz Europa, so auch in in den Komplexen Bayreuth, Konstanz, Würzburg und Freiburg. Die Laufzeit diese Types kann ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis um 1400 als gesichert betrachtet werden.
Generell: Da für Nürnberg und die Region unseres Wissenstandes nach nur ein Schuhfund aus dem 15. Jahrhundert bekannt ist, greifen wir für die Rekonstruktion der Schuhmode auf die Funde aus Konstanz zurück. Die dortigen Schuhfunde wurden von C. Schnack sehr ausführlich beschrieben und bilden ein unserer Meinung nach übersichtliches Bild der Schuhmode im spätmittelalterlichen süddeutschen Raum. Nach C. Schnack zeigt der Konstanzer Fundkomplex, im Gegensatz zu den Funden aus London, ein typisches Spektrum von Schuhwerk, wie es von einfachen Stadtbürgern und Handwerkern getragen wurde.
Zur Ergänzung und zum Vergleich ziehen wir die Fundkomplexe aus Freiburg, Bayreuth, Schleswig, London, York und Dover sowie diverse figürliche Darstellungen an den einschlägigen Nürnberger Kirchen und Brunnen heran.
Alle Schuhe der damaligen Epoche wurden wendegenäht, d.h., die Schuhe wurden auf links genäht und dann auf die rechte Seite gewendet. Im spätmittelalterlichen Fundmaterial von Konstanz sind schon neben den geläufigen Fersenkappen, Nestellochverstärkungen und Schaftrandversäuberungen sehr häufig partielle oder umlaufende Randverstärkungen in der Sohlen/Oberledernaht sowie innen liegende Seitenverstärkungen und partiell oder komplett gedoppelte Sohlen zu beobachten. Diese Applikationen zeigen einen Schritt hin zur gesteigerten Robustheit des Schuhwerkes und sorgen für eine besser Haltbarkeit. Vergleiche mit anderen Fundkomplexen, vor allen Dingen jenem aus Schleswig, zeigen eine überregionale Verbreitung dieser Techniken im späten Mittelalter.
In Konstanz wurde für das Oberleder sowohl Ziege als auch Rind verwendet, für die Sohlen Rindernacken, zum vernähen der Einzelteile kam wahrscheinlich gepichter und gewachster Leinenzwirn zum Einsatz.
