Halbschuh mit Schnürung a.d. Rist

Allgemein: Halbschuhe mit Schnürung auf dem RistAlle Schuhe der damaligen Epoche wurden wendegenäht, d.h., die Schuhe wurden auf links genäht und dann auf die rechte Seite gewendet. Im spätmittelalterlichen Fundmaterial von Konstanz sind schon neben den geläufigen Fersenkappen, Nestellochverstärkungen und Schaftrandversäuberungen sehr häufig partielle oder umlaufende Randverstärkungen in der Sohlen/Oberledernaht sowie innen liegende Seitenverstärkungen und partiell oder komplett gedoppelte Sohlen zu beobachten. Diese Applikationen zeigen einen Schritt hin zur gesteigerten Robustheit des Schuhwerkes und sorgen für eine besser Haltbarkeit. Vergleiche mit anderen Fundkomplexen, vor allen Dingen jenem aus Schleswig, zeigen eine überregionale Verbreitung dieser Techniken im späten Mittelalter.

Quelle: C. Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz, Grabung Fischmarkt
Materialhefte zur Archäologie Heft 26, Konrad Theiss Verlag 1994. Objekt Tafel 14, Fund – Nr.72 und Nr. 73

Beschreibung der Rekonstruktion: Das Oberleder besteht aus vegetabil gegerbtem Bovinaleder und wurde vor dem vernähen mit einer Eisensulfat-Essiglösung schwarz gebeizt. Das Oberleder wurde einteilig zugeschnitten und verarbeitet, für die Sohle wurde ca. 5 mm dickes, ebenfalls vegetabil gegerbtes Rindsleder verwendet.  Sohle und Oberleder wurden mit dem “Fleisch-Kante-Tunnelstich” in der Wendenahttechnik verbunden.

Für eine bessere Stabiltät wurde der Schaft mit einer Schaftrandeinfassung “Konstanz Typ b” nach C. Schnack verstärkt, zusätzlich wurden Fersenkappen, Nestellochverstärkungen sowie  im medialen und lateralen Vorderfußbereich Streifenverstärkungen angebracht.

Im Fersenbereich wurde in die Oberleder-Sohlenverbindung zusätzlich ein Randstreifen eingefügt.  Alle Nähte wurden mit gepichtem und gewachstem Leinenzwirn erstellt.

 

Quellenlage/Vergleich: Dieser Typ Schuh war in Europa weit verbreitet, wie vergleichbare Funde aus Bayreuth, Schleswig, London, York und Dover zeigen. Die Laufzeit dieses Typs erstreckt sich vom Ende des 13. bis weit in das 15. Jahrhundert hinein.

 Generell: Da für Nürnberg und die Region unseres Wissenstandes nach nur ein Schuhfund aus dem 15. Jahrhundert bekannt ist, greifen wir für die Rekonstruktion der Schuhmode auf die Funde aus Konstanz zurück. Die dortigen Schuhfunde wurden von C. Schnack sehr ausführlich beschrieben und bilden ein unserer Meinung nach übersichtliches Bild der Schuhmode im spätmittelalterlichen süddeutschen Raum. Nach C. Schnack zeigt der Konstanzer Fundkomplex, im Gegensatz zu den Funden aus London, ein typisches Spektrum von Schuhwerk, wie es von einfachen Stadtbürgern und Handwerkern getragen wurde. Zur Ergänzung und zum Vergleich ziehen wir die Fundkomplexe aus Bayreuth, Freiburg, Schleswig, London, York und Dover sowie diverse figürliche Darstellungen an den einschlägigen Nürnberger Kirchen und Brunnen heran.

In Konstanz wurde für das Oberleder sowohl Ziege als auch Rind verwendet, für die Sohlen Rindernacken, zum vernähen der Einzelteile kam wahrscheinlich gepichter und gewachster Leinenzwirn zum Einsatz.

Fersenkappe

Fersenkappe

Streifenverstärkung innen

Streifenverstärkung innen

Randstreifen

Randstreifen