Schlupfschuh nach Konstanz

Quelle: C. Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz, Grabung Fischmarkt
Materialhefte zur Archäologie Heft 26, Konrad Theiss Verlag 1994. Objekt Tafel 8, Fund – Nr. 880

Beschreibung der Rekonstruktion: Das Oberleder besteht aus vegetabil gegerbtem, ca. 2mm starkem Bovinaleder Der Zuschnitt des Obrelders erfolgte nach Fund einteilig, für die Sohle wurde ca. 5 mm dickes, ebenfalls vegetabil gegerbtes Rindsleder verwendet. Sohle und Oberleder wurden mit dem “Fleisch-Kante-Tunnelstich” in der Wendenahttechnik verbunden. Für eine bessere Stabiltät wurde der Schaft mit einer gefalteten Paspel/Schaftrandeinfassung “Konstanz Typ b” nach C. Schnack verstärkt, zusätzlich wurden Fersenkappen,´sowie im medialen und lateralen Vorderfußbereich innenliegende Streifenverstärkungen angebracht. Der für die Nähte verwendete Leinendraht wurde aus handgesponnenem Leinenfaden gezwirnt und anschliessend gepicht und gewachst.
Quellenlage/Vergleich: Auf Gemälden und Abbildungen des 14. und 15. Jahrhunderts werden Schlupfschuhe sehr häufig wiedergegeben, im archäologischen Fundgut hingegen sind diese eher selten vertreten. Vergleichbare Exemplare können aus Komplexen aus Freiburg, Schleswig, Braunschweig und Breslau angeführt werden. Die Laufzeit für diesen Typus gibt C. Schnack  vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 15. Jahrhunderts an.
Generell: Da für Nürnberg und die Region unseres Wissenstandes nach nur ein Schuhfund aus dem 15. Jahrhundert bekannt ist, greifen wir für die Rekonstruktion der Schuhmode auf die Funde aus Konstanz zurück. Die dortigen Schuhfunde wurden von C. Schnack sehr ausführlich beschrieben und bilden ein unserer Meinung nach übersichtliches Bild der Schuhmode im spätmittelalterlichen süddeutschen Raum. Nach C. Schnack zeigt der Konstanzer Fundkomplex, im Gegensatz zu den Funden aus London, ein typisches Spektrum von Schuhwerk, wie es von einfachen Stadtbürgern und Handwerkern getragen wurde. Zur Ergänzung und zum Vergleich ziehen wir die Fundkomplexe aus Bayreuth, Freiburg, Schleswig, London, York und Dover sowie diverse figürliche Darstellungen an den einschlägigen Nürnberger Kirchen und Brunnen heran.

In Konstanz wurde für das Oberleder sowohl Ziege als auch Rind verwendet, für die Sohlen Rindernacken, zum vernähen der Einzelteile kam wahrscheinlich gepichter und gewachster Leinenzwirn zum Einsatz.