Handspindel / Tiefwirtelspindel

Spindel

Quelle: Der tönerne Spinnwirtel wurde nach Funden aus Nürnberg rekonstruiert, eine Vielzahl an Fundstücken befindet sich im Besitz des Naturhistorischen Museums Nürnberg. Die Konstruktion der Handspindel, die Verbindung Spinnwirtel und Schaft an sich, ist auf zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen zu erkennen.

Generell: Das älteste und auch wichtigste Werkzeug der textilen Verarbeitung stellt die Handspindel dar. Spinnwirtel aus Ton sind archäologisch bereits in der Antike nachweisbar, zahlreiche ikonographische Abbildungen des frühen, hohen und späten Mittelalters zeigen z.B. Eva beim Spinnen mit der Handspindel, im biblischen Kontext ein Hinweis auf die durch Gott gegebene Arbeitsteilung von Mann und Frau. Auch archäologisch lassen sich zumindest tönerne Spinnwirtel durch das gesamte Mittelalter nachweisen.
Die Handspindel stellte bis zur zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, bis zum Aufkommen des Spinnrades, das einzige Werkzeug zur Garnherstellung dar. Die Handspindel blieb jedoch auch nach der Einführung des Spinnrades weiterhin in Gebrauch.
Hironobu Sakumas stellt in seiner auf Aufzeichnungen des Stadtarchivs Nürnberg basierenden Publikation “Die Nürnberger Tuchmacher, Weber, Färber und Bereiter vom 14. bis 17. Jahrhundert“ fest, dass der Stand der Spinner im 14./15. Jahrhundert nur noch bruchstückhaft zu rekonstruieren ist. Die Quellen des Stadtarchivs zeigen jedoch auf, dass die Spinnerei oft als Nebenerwerb durch Bürger oder Tagelöhner ausgeführt wurde. Hierzu existieren Nachweise zur Abgabe von in Heimarbeit gefertigtem Garn bis in das 16. Jahrhundert hinein. Man kann jedoch vermuten, dass diese in Heimarbeit erfolgte Produktion bei weitem nicht ausreichend Material zur Verfügung stellen konnte, um den tatsächlichen Bedarf an Garnen zu decken und daher die fehlenden Mengen von darauf spezialisierten Spinnern abgedeckt wurden.

Diese Rekonstruktion ist eine Arbeit von Anna Axtmann.