Avigonesisches Papsttum und Großes Schisma

Dieser Artikel soll in knappen Worten die Situation der Kurie um 1380 sowie die Umstände, welche dahin führten, aufzeigen.

1. Avignonesisches Papsttum

Unruhen in der Stadt Rom veranlassten Papst Clemens V. (1305 – 1314) nach seiner Wahl im Jahre 1305, sich in verschiedenen südfranzösischen Städten aufzuhalten. Im Jahr 1309 ließen sich der Papst und sein Hof dann in Avignon nieder, das am linken Ufer der Rhone und damit auf Reichsgebiet lag. Die Stadt gehörte zur Grafschaft Provence, bis das Papsttum sie 1348 kaufte.
In Avignon residierten nach Papst Clemens V. bis 1377 folgende Päpste:

  • Johannes XXII (1314 – 1334),
  • Benedikt XII. (1334 -1342),
  • Clemens VI. (1342 – 1352),
  • Innozenz VI. (1352 – 1362),
  • Urban V. (1362 – 1370) und schließlich
  • Gregor XI. (1370 – 1378).

Alle genanten Päpste waren französischer Abstammung, charakteristisch für das Papsttum dieser Jahrzehnte war die Abhängigkeit von den französischen Königen, die in ihrer Intensität zwar erheblichen Schwankungen unterworfen aber dennoch stets vorhanden war. Außerdem war das avignonesische Papsttum durch eine stark zentralistische Politik innerhalb der Kirche geprägt. Diese Politik zielte darauf ab, den Einfluss der Päpste auf die Ortskirchen und die Pfründevergabe zu erhöhen sowie die Einnahmen zu steigern
Lediglich in den Jahren 1328 – 1330 residierte der von Kaiser Ludwig IV. unterstützte Papst Nikolaus V. während seiner kurzen Amtszeit in Rom.

2. Das Große Schisma

Im Januar 1377 kehrte Papst Gregor XI. nach Rom zurück. Sein Nachfolger, Urban VI.(1378 – 1389) begann verstärkt italienische Prälaten zu Kardinälen zu ernennen. Hierdurch sollte der massive Einfluss Frankreichs auf die Kurie zurückgedrängt werden. Im Herbst 1378 wählte eine Gruppe mit dieser Politik unzufriedener, französischer Kardinäle einen neuen Papst, welcher sich Clemens VII. (1378 – 1394) nannte. Die erste, entscheidende Maßnahme dieses „Gegenpapstes“ bestand darin, seine Residenz nach Avignon zurück zu verlegen.
Schon des öfteren hatten in der Geschichte der Kurie zwei Kandidaten um den Papstthron gerungen. Dieses erneute Schisma erwies sich jedoch als besonders wirkungsvoll, da sich die Fronten verhärteten. Möglichkeiten zu einer Einigung hätten sich ergeben, als Urban VI. und Clemens VII. starben, doch deren Anhänger wählten jeweils eigene Nachfolger. Zudem nutzen die weltlichen Herrscher diese Konkurrenzsituation, um sich ihre Parteinahme für einen von beiden Kandidaten teuer bezahlen zu lassen. Die Machtfülle, welches das Avignonesische Papsttum innerhalb der Kurie innehatte, schwand dahin.
Kaiser Karl IV. stellte sich ohne Zögern auf die Seite Urbans VI. Die Konsequenzen dieser Entscheidung musste dann allerdings erst sein Nachfolger, König Wenzel, tragen.

Quellen

Prietzel, Malte: “Das heilige römische Reich im Spätmittelalter”,
Wissenschaftliche Buchgesellschaft